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DIE ANDAMANEN PER SEGELBOOT

Thailand

Text und Fotos: Andres Somme, Reisezeit: Januar 2026

Die AlienKat vor Hong Island

Mein Verhältnis zur Seefahrt ist nicht das beste, gehöre ich doch zu denjenigen, die gerne mal unterwegs die Fische füttern. Auch hege ich die tiefste Überzeugung, dass die Vorfahren der Menschheit nicht umsonst irgendwann mal an Land gegangen sind. Aber was tut man nicht alles um der Liebsten eine Freude zu bereiten, happy wife, happy life …

Mein Schwager Peter lebt nun schon sechs Jahre in Thailand und schippert seine Gäste zu den schönsten Inseln der Andamanensee. Sein Katamaran liegt in der Chalong Bucht vor Pukhet an der Mooring. Es wurde höchste Zeit ihn endlich mal zu besuchen. Der Flug aus dem schneenassen und kalten Frankfurt brachte uns in 12 Stunden direkt dorthin.

Die Chalong-Bucht vor Phuket ist Startpunkt vieler lokaler Reiseveranstalter, die mit 800 PS-Speedbooten ihre Kundschaft zu den nahegelegenen Inseln schippern und abends wieder (hoffentlich heile) zurückbringen. Das geschieht nicht immer, da die Skipper, nach Aussagen der dort Lebenden, von morgens bis abends stoned sind. Es gibt ja Cannabis legal an jeder Ecke und in jeder Form. Während unseres Aufenthaltes zerschellt eines dieser Boote in voller Fahrt an einem Fischtrawler! Den kann man am Tag eigentlich nicht übersehen. Eine junge Russin stirbt, über 20 Personen werden teils schwer verletzt. Wir haben an Bord nie den Eindruck, dass etwas in puncto Sicherheit vernachlässigt wird. Erscheint zum Beispiel eine Mooring mal etwas vernachlässigt, so taucht Peter runter um sicherzugehen, dass sie hält. Auch sind alle Navigationshilfen in doppelter Ausführung vorhanden. Selbst in der Nacht wird die Ankerposition per GPS überwacht und gibt Alarm, sollte sich das Boot zu weit wegbewegen. Ein gutes Gefühl für uns Landratten …

Unsere Route

Speedboote vorher

Speedboote nachher

Wir gehen am ersten Abend zum Essen in ein Strandlokal. Auf dem Weg dorthin sehen, und vor allem riechen wir, wie die Boote betankt werden. Aus offenen Fässern, die auf einem kleinen Lkw stehen, wird mittels Schlauch über 20 Meter Strand die bis zu 1.000 Liter fassenden Tanks auf den Booten gefüllt. Es geht viel daneben und stinkt entsprechend. Sicherheit geht anders. Gleich in der folgenden  Nacht stehen in der Nähe unserer Unterkunft 23 dieser teuren Boote in Flammen. Die Aluminiumrümpfe schmelzen in der Hitze und der Gestank brennenden Plastiks wabert über die Stadt. Was für ein Feuerwerk zur Begrüßung, wäre doch nicht nötig gewesen.

Nach zwei Tagen Eingewöhnung an die Hitze und Feuchtigkeit, die wir mit Ausflügen zu den Sehenswürdigkeiten Phukets, Fischmärkten, Tempeln, diversen Karaoke-Bars und sonstigen Kneipen füllen, gehen wir an Bord des Katamarans. Nun ist so ein Boot für Menschen mit fast zwei Metern Körpergröße nicht unbedingt geeignet. Die Türen sind sehr niedrig und so schmal, dass ich nur quer durch passe, von der Toilette ganz zu schweigen. Die Reling geht mir nicht mal bis zum Knie. Egal: happy … (siehe oben).

Da im Süden das Wetter schlecht ist und sehr hohe Wellen zu erwarten sind, entscheidet Peter sich dazu, mit uns zugunsten meines Magens zunächst nach Norden zu segeln. Unsere Route ist prima gewählt, denn wir haben in den kommenden Tagen nur leichten Wind und dazu geringen Wellengang. Das Schwanken des Bootes, das muss ich zugeben, wird irgendwann erträglich, solange wir nicht mit Motor fahren. Man gewöhnt sich tatsächlich so sehr daran, dass nach zehn Tagen das Laufen auf Land schwankend wird.

Was uns erwartet, sind wunderschöne Inseln, die steil aus dem Meer ragen, umgeben von klarstem Wasser, vielen Fischen, Anemonen, Seesternen und anderem Getier. Natürlich sind wir tagsüber selten alleine, denn der Januar ist die Hauptreisezeit. Netterweise fahren gegen Abend so gut wie alle der schön geschmückten Longtail-Boote wieder nach Hause und die Strände werden leer. An einigen der Inseln können wir schöne Schnorchelgänge unternehmen. Peter hat ein großes Sortiment an Masken und Flossen an Bord. Vom Boot aus sehen wir Schildkröten und können die Angel auswerfen, um ein paar Thunfische zu ergattern, die abends in einer Gaststätte für uns zubereitet werden. Ich habe mir vorgestellt, wie ich bei uns in Franken mit ein paar Würstchen unterm Arm in die Kneipe komme und den Wirt bitte, sie für mich zuzubereiten – das Gesicht wäre sicher filmreif! In Thailand ist dies kein Problem. Unser Eindruck: Das Leben ist hier sehr viel entspannter. Das äußert sich auch im Verkehr auf Land. Niemand hupt! Alle schieben sich mit ihren Autos, Mopeds und Fahrrädern irgendwie aneinender vorbei. Hektik verbreiten nur die Ausländer.

dzg auf Horn Island

Das Leben an Bord ist von Ruhe bestimmt. Da wir wenig Ahnung vom Segeln haben, können wir Peter und seiner Partnerin Su nur nach Anweisung dabei helfen. Nur als er in die Mastspitze muss um irgendetwas zu reparieren, haben wir ihn dann mit der Winch hochgezogen, ich habe zur Not das richtige Gegengewicht. Ansonsten liegt man auf dem Trampolin vorne zwischen den Rümpfen und genießt die Sonne, den Schatten des Segels, den Wind und die immer wechselnde Aussicht und abends die herrlichen Sonnenuntergänge.

Unsere Route geht also zunächst nach Norden Richtung Ko Yao Yai. An der Nordseite ankern wir bei Laem Haad Beach, um dem Palmenstrand einen Besuch abzustatten, bevor er in der Flut teilweise verschwindet. Auf Ko Yao Noi feiern wir in Franks Restaurant in Haad Pasai Tanjas Geburtstag mit vorzüglichen Ananas-Smoothies und sehr leckerem Essen. Normalerweise würden wir kein auf Wassereis basierendes Getränk zu uns nehmen, doch hier kommt wohl alles Eis aus der Fabrik und ist offenbar sauber ohne irgendwelche Keime. Der sonst auf unseren Reisen übliche Durchfall bleibt daher diesmal netterweise aus. In den Bäumen vor dem Restaurant begrüßt uns ein Hornbill, den man auch nicht alle Tage sieht.

Auf Hong Island steigen wir die unzähligen Treppenstufen eines Stahlgerüsts hinauf, um mit einem wirklich grandiosen 360° Rundblick belohnt zu werden. Ein dzg-Aufkleber schmückt jetzt diesen Ort. Auf dem Rückweg entdecken wir noch einen Waran, der unseren Weg kreuzt. Auf der Westseite der Insel gibt eine Meeresenge den Weg frei in eine Lagune, deren Ränder mit Mangroven bewachsen sind. Ein Fleck Erde, der sehr malerisch ist, was aber sehr viele Mitmenschen offenbar auch wissen…

Railay Beach ist der nächste Stopp. Es erwartet uns eine Tropfsteinhöhle mit wirklich gigantischen Stalagmiten und Stalaktiten, die über 20 Meter hoch ins Höhlendach gehen. Fledermäuse haben dort eine Zuflucht und man muss an einigen Stellen etwas schnell gehen, um keine Flecken auf der Kleidung mitzunehmen. Eine Grotte der Fruchtbarkeit, angefüllt mit zahlreichen hölzernen Phalli in allen Größen und Farben, bietet ein schönes Fotomotiv. Ein Postkartensonnenuntergang verschönert den Abend.

Stromversorgung in Thailand

Auf Ko Lanta ankern wir in der Khlong Dao Bucht. Zwei der Restaurants werden von ausgewanderten Deutschen betrieben. Die haben wir natürlich besucht. Vorher haben wir im Ort die Vorräte für das Boot wieder aufgefüllt. Der Weg am Strand wird durch eine stinkende Kloake olfaktorisch verunreinigt. Seltsam, dass man so etwas zulässt, wenn man vom Tourismus leben möchte.

Die nächste Insel Ko Mook bietet eine Besonderheit. Man kann durch einen sehr langen und dunklen Tunnel namens Emerald Cave in eine Lagune schwimmen, nichts für schwache Nerven. Das Abendessen besteht aus unserem Fang des Tages, drei Thunfischen, die wir auf der Terrasse eines Restaurants verdrücken.

Koh Rok liegt recht weit von Phuket oder anderen Speedboot-Basen weg, so dass diese Insel nur wenig Touristen besuchen. Es gibt dort keine Unterkünfte, nur eine Basis der Ranger des Mu Koh Lanta Nationalparks. Der Pa Samet Daeng  Rundwanderweg führt vom sehr schönen Strand aus zunächst an die Nordseite der Insel und dann über extrem steile Treppen mit teilweise gigantischen hohen Stufen durch den Dschungel auf die Felsen. Von oben hat man eine herrliche Aussicht über die scheinbar unberührte Nordseite der Insel. Kristallklares, türkisfarbenes Wasser verwöhnt das Auge! In einer kleinen Bucht auf der Nordseite, an der man vorbeikommt, kann man allerdings den Plastikmüll wieder finden, den irgendwer irgendwo mal im Meer entsorgt hat, kein erfreulicher Anblick.

Unterwegs passieren wir Squidfischer, die nachts mit ihren langen mit Lampen bestückten Auslegern die Tintenfische anlocken. Eine für uns neue Geschichte ist die der Quallenfischer. Irgendwer hat wohl in einer hochwissenschaftlichen (?) Studie nachgewiesen, dass es zwei Quallenarten gibt, die besonders gesund sein sollen, wenn man sie isst. In China scheint das grade ein Trend zu sein. Wir beobachten Fischer, die mit langen Rechen diese 30 Zentimeter und mehr messenden Tiere aus dem Wasser holen. Es muss sich lohnen, sonst würden sie es nicht tun. Angeblich verdienen sie damit mehr Geld, als mit den Fischen.

Squidfischer

Ein Insel-Stopp muss natürlich sein: Auf Ko Phi Phi Leh vor der Maya Bay Bucht, die dem Film The Beach im Jahr 2000 die Kulisse gab und einen gewissen Leonardo Di Caprio bekannt machte. Wir haben den Film beide nicht gesehen, aber andere wohl schon… Da muss man also hin müssen, zumindest, wenn man den Auflauf sieht, der da stattfindet. Die Parkregeln erlauben immer nur 350 Menschen auf dem Strand, es darf niemand ins Wasser oder in die Bucht fahren. Hunderte Longtailboote setzen tausende Neugierige auf der gegenüberliegenden Inselseite ab. Die laufen dann, nachdem sie bezahlt haben, im Gänsemarsch über Stege zu dieser Bucht, bleiben dort für eine vorgeschriebene Zeit, um Millionen Selfies zu machen und hauen wieder ab, denn am späten Nachmittag ist der Spuk vorbei und mehr kann man da auch nicht tun. Wir haben vor der Bucht mit noch einem großen Katamaran zusammen über Nacht geankert und genießen die Ruhe des Abends. Außerdem bietet das kristallklare Wasser mal wieder eine gute Gelegenheit zum Schnorcheln. Nemo lässt grüßen.

Gras an jeder Ecke

Und dann kam Koh Phi Phi. Die Insel ist vermutlich das Touristikhochlicht in Reichweite von Phuket. Der Trubel und Krach ist zum Abgewöhnen. So eine Musikanlage ist modern, modern ist gut, und das vor allem, wenn es richtig laut ist. Und das ist es auch bis um 4 Uhr in der Früh und fünf Stück Boxenpaare nebeneinander. Wir ankern nördlich des Ortes nur eine Nacht in etwa einem Kilometer Entfernung, aber selbst dort ist der Lärm noch viel zu gut zu hören.

Natürlich sind auch wir den Berg hochgetreppt auf den Phi Phi Viewpoint, um dort Zeuge unzähliger Selfies zu werden. Die Parkbesitzer schaffen extra Hintergründe zu diesem Zweck wie überdimensionale Muscheln, in der man seine Perle schön zur Schau stellen kann, oder eine riesige Kokosnuss mit Monsterstrohhalm, aus der dann der Kerl trinken darf. Überhaupt sind die Selfiepoints überall sehr gut besucht, sehr häufig von, zumindest von hinten, teilweise sehr anziehenden Frauen osteuropäischer Provenienz. Leider kann man sich in Thailand offenbar sehr preiswert seine eigene Karosserie von Schönheitschirurgen überarbeiten lassen, so dass fast alle Mädels wie die Putzerfische daherkommen. Das sieht nur selten besser aus, aber Geschmack ist ja bekanntlich Bandbreite… Der Ausflug lohnt sich aber trotzdem, denn man hat einen guten Blick über den Ort und kann sich vorstellen, was der Tsunami dort angerichtet haben muss, der das gesamte Areal weggespült hat, wie die Fotogalerie zeigt, die daran erinnert. Am Abend sind wir dann wieder nach Koh Phi Phi Leh zurückgesegelt, um die Ruhe zu genießen.

Quallenfischer

Danach geht es zurück nach Phuket, an der Pier volltanken und Wasser holen für den nächsten Ausflug. Nach 191 Seemeilen in bestem Wetter empfängt uns der Ort mit sehr hoher Luftfeuchte und ohne unseren so genossenen, kühlen Wind. Zu Hause empfängt uns Ende Januar das Schneechaos mit Affenkälte. Nur gut, dass die warmen Sachen im Auto liegen …

Info-Box

Peter Theimann ist Mitglied der dzg, Kontakt siehe Mitgliederverzeichnis.

Unsere Anreise war mit dem einzigen Direktflug von Deutschland aus, Frankfurt – Phuket mit Condor, alternativ gibt es andere Möglichkeiten mit Zwischenstopp Übernachtung an Land im Shin Arch 39, Phuket beach front in Chalong. Schöne Zimmer, Pool auf dem Dach. Man kann dort mit dem Dingi direkt anlanden, ganz praktisch um aufs Boot zu kommen.

Ein Video von Peter gibt es in YouTube, Suchworte Athena38 Alien Kat Thailand 2026

Unterwegs-Sein

Andres, dem das Reise-Gen in die Wiege gelegt wurde, ist seit gut 40 Jahren aktives dzg-Mitglied, reiste vorzugsweise mit Rucksack, Zelt und Schlafsack durch den nahen Osten und lange Zeit durch Südamerika, mit dem Geländewagen nach Timbuktu und durch Namibia. Später wurde der alte T2 wieder aus der Scheune geholt und seitdem wird auch wieder Europa erkundet. Tanja, die auch schon 36 Jahre dzg-Mitglied ist, ging mit 19 Jahren schon allein auf Reisen nach Australien. Beide lernten sich bei Rik Clauwaert (†) in Ahlen kennen. Dort fand über Jahre hinweg die Trotter-Eintütfete statt, zu der Andres aus Fürth die halbe Tonne Zeitungen mitbrachte. Seit dem Sommertreffen der dzg in Zorge 1990 sind die Beiden zusammen unterwegs und berichten gelegentlich im Trotter über ihre Erlebnisse.

Andres und Tanja

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