Ein historischer Reisebericht aus dem Jahr 2000
Text und Fotos: Hermann Neidhart, Reisezeit: März 2000
In Guatemala wurden schon früh (teils im vorletzten Jahrhundert) zwei wichtige Bahnstrecken gebaut: die eine führte von der Hauptstadt an die Pazifikküste hinunter nach Tecun Uman, die andere in Richtung Atlantik nach Puerto Barrios am Golf von Honduras. Um also auf die Bahn zu stoßen, fuhr ich, aus Mexiko kommend, direkt nach Guatemala-Stadt und benutzte dabei den Grenzübergang zwischen Cuauhtemoc und La Mesilla.
Mein Omnibus fuhr bis zum mexikanischen Ausreiseposten und drehte dort um; die Grenzer erledigten ihren Dienst recht flott. Ein amerikanisches Oldie-Taxi brachte mich und fünf Busmitfahrer für einen Dollar zur guatemaltekischen Abfertigungsstelle. Während die Begleiter allesamt nach Panajachel, einem früheren Hippie-Städtchen am Atitlánsee wollten, war mein heutiges Reiseziel die Hauptstadt.
Gegen Mittag verließ der nächste Bus La Mesilla – mit mir als vorerst einzigem Passagier! Doch als so genannte Lumpensammler füllte er sich nach und nach, bis er bei Huehuetenango unerwartet abbog. Kurz davor wurde ich hinauskomplimentiert und zum Umsteigen in einen anderen Bus gebeten, der direkt nach Guatemala-Stadt unterwegs war. Mein Fahrgeld wurde auf die Schnelle zwischen den Fahrern verrechnet, meine Reisetasche von einem Dach aufs andere umgeladen – na sowas, ich wusste erst gar nicht, wie mir geschah. Hauptsache, ich erreichte nach mehrstündiger Fahrt die Hauptstadt. Der Busfahrer hielt für mich noch ein Taxi ins Zentrum an, das mich zu einem Hotel in der Nähe der Kathedrale brachte. Die Gegend wirkte ziemlich heruntergekommen, aber es war immerhin viel Polizei präsent.
Bei der Deutschen Botschaft informierte ich mich über das hiesige Verkehrswesen. Die Sekretärin vereinbarte für mich auch einen Besprechungstermin mit Señor Fernandez, dem Vertreter der amerikanischen Eisenbahngesellschaft RDC (Railroad Development Company) in Guatemala, die ich noch am gleichen Tag aufsuchen konnte. Señor Fernandez ließ mich einen ausgiebigen Blick auf das Bahngelände werfen. Dieses erschloss sich mir auf einer Fototour wie eine Mischung aus Eisenbahnparadies und Bahnfriedhof. Ein Ingenieur erzählte mir, bei seiner Ankunft vor ein paar Jahren sei hier alles zugewachsen und überwuchert gewesen. Eine Baldwin-Lok wurde mir als einzige betriebsbereite Dampflokomotive vorgestellt. Sie wurde gelegentlich für Sonderfahrten mit Eisenbahnfreunden an die Karibikküste eingespannt. Einige guterhaltene Dieselloks standen ebenfalls herum.
Nach dem Rundgang traf ich mich mit den leitenden Bahnleuten, darunter dem US-Chef der Bahnverwaltung, Jorge. Es wurde darüber berichtet, dass die amerikanische RDC die einheimische Bahn FEGUA vor drei Jahren zu großen Teilen übernommen hatte. In Guatemala wurde derzeit praktisch nur die Verbindung zum Atlantikhafen Puerto Barrios im Güterverkehr bedient; die Personenbeförderung sei unrentabel.
Für mich war dieser 15. März ein besonderer Tag: Ich konnte für einen Bericht in Eisenbahnzeitschriften mit einem Bahnbautrupp in Richtung Atlantik fahren und dabei Aufnahmen machen. Ich hätte sogar bis Puerto Barrios mitkommen können, was 15 Stunden gedauert hätte, entschied mich aber für ein Teilstück in Richtung El Progreso. Um 7 Uhr früh war ich startbereit am Bahnhof von Guatemala-Stadt. Vor der Abfahrt gabs noch ein Gruppenfoto mit dem Lokführer, seinem Co-Piloten, Jorge und Señor Fernandez.
Heute ging es mit einem Extra-Zug, bestehend aus einer 800 PS-Diesellok, vier offenen Güterwaggons und einem Kabuse-Wagen, in Richtung Nordwesten. Die Waggons waren mit Holzschwellen beladen, die großteils zu einer Brücke weit außerhalb der Stadt verbracht werden sollten. Innerorts war der Zug sehr langsam unterwegs – nicht umsonst angesichts des lebhaften Straßenverkehrs im Gleisbereich. Auch außerorts war Vorsicht geboten, denn kein einziger Bahnübergang war beschrankt. Folglich gab der Lokführer ständig Klingel- und Glockenzeichen, zudem hupte er fast andauernd. Viele Häuser standen ganz nah an der Strecke; es ging auch durch armselige Dörfer mit windigen Hütten. Kaum hatten wir die Stadt verlassen, hielt der Zug an einem kleinen Haus, in dem die Besatzung verschwand und kurz darauf jeder mit einer Brotzeit wieder herauskam.
Die Strecke führte selten geradeaus; sie war sehr kurvig, ging an Berghängen entlang und durch einige Einschnitte in den Fels; auch ein paar Tunnels wurden durchquert und eine ganze Reihe waghalsiger Brücken überfahren. Wir kamen durch Aguas Calientes, wo auch die Straße nach Puerto Barrios durchführte. Einige Kilometer später stießen wir auf die oben erwähnte Brücke, für die wir das meiste Holz anlieferten. Extra für mich fuhr der Lokführer einmal hin und her, während ich von einem Aussichtspunkt aus vom Zug samt Überführung Fotos machen konnte. Die Arbeiter machten zwischenzeitlich Mittag, dann wurde das Holz abgeladen. Es war ziemlich heiß, aber oben in der Kabuse ließ es sich im Schatten und bei Durchzug einigermaßen aushalten.
Vor einer weiteren Brücke wurde erneut Halt gemacht. Ich ging zu Fuß hinüber – sie war ewig lang, ohne Geländer und offen zwischen den Schwellen! Der Zug kam nach, ich konnte ihn beim Drüberfahren wieder fotografieren. Unterwegs warfen Kinder Steine auf den Zug. Einmal kamen wir um eine Kurve herum, da lagen drei große Steinbrocken auf den Schienen; dazwischen stand ein Koffer. Der Lokführer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, es krachte ordentlich, aber der Zug entgleiste nicht. Manchmal befanden sich Pferde, Hunde und andere Tiere auf den Gleisen; Hunde waren besonders wütend auf die Bahn und bellten ihr lange nach. Zurück am Bahnhof, war das Tor quer über die Schienen schon verriegelt, wurde dann aber doch noch geöffnet. Der heutige Tag auf der Atlantikbahnstrecke war sehr unterhaltsam und ungemein aufschlussreich gewesen.
Dem fügte ich fast nahtlos noch eine Nachtfahrt per Bus in den nördlich gelegenen Tieflanddschungel an, wo sich eine der Hauptsehenswürdigkeiten Guatemalas befand: die Mayastadt Tikal. Über die Tempel, Pyramiden und Ruinen von Tikal ist anderweitig schon viel berichtet worden; die lange Anreise lohnte sich jedenfalls. Fahrt und Besichtigung innerhalb von 24 Stunden zu organisieren, war nicht ganz einfach. Aber meine Mittelamerika-Tour sollte ja anschließend noch ein großes Stück weitergehen: über El Salvador, Honduras und Nicaragua nach Costa Rica und Panama – immer nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!
In Guatemala wurden schon früh (teils im vorletzten Jahrhundert) zwei wichtige Bahnstrecken gebaut: die eine führte von der Hauptstadt an die Pazifikküste hinunter nach Tecun Uman, die andere in Richtung Atlantik nach Puerto Barrios am Golf von Honduras. Um also auf die Bahn zu stoßen, fuhr ich, aus Mexiko kommend, direkt nach Guatemala-Stadt und benutzte dabei den Grenzübergang zwischen Cuauhtemoc und La Mesilla.
Mein Omnibus fuhr bis zum mexikanischen Ausreiseposten und drehte dort um; die Grenzer erledigten ihren Dienst recht flott. Ein amerikanisches Oldie-Taxi brachte mich und fünf Busmitfahrer für einen Dollar zur guatemaltekischen Abfertigungsstelle. Während die Begleiter allesamt nach Panajachel, einem früheren Hippie-Städtchen am Atitlánsee wollten, war mein heutiges Reiseziel die Hauptstadt.
Gegen Mittag verließ der nächste Bus La Mesilla – mit mir als vorerst einzigem Passagier! Doch als so genannte Lumpensammler füllte er sich nach und nach, bis er bei Huehuetenango unerwartet abbog. Kurz davor wurde ich hinauskomplimentiert und zum Umsteigen in einen anderen Bus gebeten, der direkt nach Guatemala-Stadt unterwegs war. Mein Fahrgeld wurde auf die Schnelle zwischen den Fahrern verrechnet, meine Reisetasche von einem Dach aufs andere umgeladen – na sowas, ich wusste erst gar nicht, wie mir geschah. Hauptsache, ich erreichte nach mehrstündiger Fahrt die Hauptstadt. Der Busfahrer hielt für mich noch ein Taxi ins Zentrum an, das mich zu einem Hotel in der Nähe der Kathedrale brachte. Die Gegend wirkte ziemlich heruntergekommen, aber es war immerhin viel Polizei präsent.
Bei der Deutschen Botschaft informierte ich mich über das hiesige Verkehrswesen. Die Sekretärin vereinbarte für mich auch einen Besprechungstermin mit Señor Fernandez, dem Vertreter der amerikanischen Eisenbahngesellschaft RDC (Railroad Development Company) in Guatemala, die ich noch am gleichen Tag aufsuchen konnte. Señor Fernandez ließ mich einen ausgiebigen Blick auf das Bahngelände werfen. Dieses erschloss sich mir auf einer Fototour wie eine Mischung aus Eisenbahnparadies und Bahnfriedhof. Ein Ingenieur erzählte mir, bei seiner Ankunft vor ein paar Jahren sei hier alles zugewachsen und überwuchert gewesen. Eine Baldwin-Lok wurde mir als einzige betriebsbereite Dampflokomotive vorgestellt. Sie wurde gelegentlich für Sonderfahrten mit Eisenbahnfreunden an die Karibikküste eingespannt. Einige guterhaltene Dieselloks standen ebenfalls herum.
Nach dem Rundgang traf ich mich mit den leitenden Bahnleuten, darunter dem US-Chef der Bahnverwaltung, Jorge. Es wurde darüber berichtet, dass die amerikanische RDC die einheimische Bahn FEGUA vor drei Jahren zu großen Teilen übernommen hatte. In Guatemala wurde derzeit praktisch nur die Verbindung zum Atlantikhafen Puerto Barrios im Güterverkehr bedient; die Personenbeförderung sei unrentabel.
Für mich war dieser 15. März ein besonderer Tag: Ich konnte für einen Bericht in Eisenbahnzeitschriften mit einem Bahnbautrupp in Richtung Atlantik fahren und dabei Aufnahmen machen. Ich hätte sogar bis Puerto Barrios mitkommen können, was 15 Stunden gedauert hätte, entschied mich aber für ein Teilstück in Richtung El Progreso. Um 7 Uhr früh war ich startbereit am Bahnhof von Guatemala-Stadt. Vor der Abfahrt gabs noch ein Gruppenfoto mit dem Lokführer, seinem Co-Piloten, Jorge und Señor Fernandez.
Heute ging es mit einem Extra-Zug, bestehend aus einer 800 PS-Diesellok, vier offenen Güterwaggons und einem Kabuse-Wagen, in Richtung Nordwesten. Die Waggons waren mit Holzschwellen beladen, die großteils zu einer Brücke weit außerhalb der Stadt verbracht werden sollten. Innerorts war der Zug sehr langsam unterwegs – nicht umsonst angesichts des lebhaften Straßenverkehrs im Gleisbereich. Auch außerorts war Vorsicht geboten, denn kein einziger Bahnübergang war beschrankt. Folglich gab der Lokführer ständig Klingel- und Glockenzeichen, zudem hupte er fast andauernd. Viele Häuser standen ganz nah an der Strecke; es ging auch durch armselige Dörfer mit windigen Hütten. Kaum hatten wir die Stadt verlassen, hielt der Zug an einem kleinen Haus, in dem die Besatzung verschwand und kurz darauf jeder mit einer Brotzeit wieder herauskam.
Die Strecke führte selten geradeaus; sie war sehr kurvig, ging an Berghängen entlang und durch einige Einschnitte in den Fels; auch ein paar Tunnels wurden durchquert und eine ganze Reihe waghalsiger Brücken überfahren. Wir kamen durch Aguas Calientes, wo auch die Straße nach Puerto Barrios durchführte. Einige Kilometer später stießen wir auf die oben erwähnte Brücke, für die wir das meiste Holz anlieferten. Extra für mich fuhr der Lokführer einmal hin und her, während ich von einem Aussichtspunkt aus vom Zug samt Überführung Fotos machen konnte. Die Arbeiter machten zwischenzeitlich Mittag, dann wurde das Holz abgeladen. Es war ziemlich heiß, aber oben in der Kabuse ließ es sich im Schatten und bei Durchzug einigermaßen aushalten.
Vor einer weiteren Brücke wurde erneut Halt gemacht. Ich ging zu Fuß hinüber – sie war ewig lang, ohne Geländer und offen zwischen den Schwellen! Der Zug kam nach, ich konnte ihn beim Drüberfahren wieder fotografieren. Unterwegs warfen Kinder Steine auf den Zug. Einmal kamen wir um eine Kurve herum, da lagen drei große Steinbrocken auf den Schienen; dazwischen stand ein Koffer. Der Lokführer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, es krachte ordentlich, aber der Zug entgleiste nicht. Manchmal befanden sich Pferde, Hunde und andere Tiere auf den Gleisen; Hunde waren besonders wütend auf die Bahn und bellten ihr lange nach. Zurück am Bahnhof, war das Tor quer über die Schienen schon verriegelt, wurde dann aber doch noch geöffnet. Der heutige Tag auf der Atlantikbahnstrecke war sehr unterhaltsam und ungemein aufschlussreich gewesen.
Dem fügte ich fast nahtlos noch eine Nachtfahrt per Bus in den nördlich gelegenen Tieflanddschungel an, wo sich eine der Hauptsehenswürdigkeiten Guatemalas befand: die Mayastadt Tikal. Über die Tempel, Pyramiden und Ruinen von Tikal ist anderweitig schon viel berichtet worden; die lange Anreise lohnte sich jedenfalls. Fahrt und Besichtigung innerhalb von 24 Stunden zu organisieren, war nicht ganz einfach. Aber meine Mittelamerika-Tour sollte ja anschließend noch ein großes Stück weitergehen: über El Salvador, Honduras und Nicaragua nach Costa Rica und Panama – immer nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!

Markt in Chichicastenango

Kinder in Guatemala-Stadt

Maya-Pyramide in Tikal

Am Hauptstadtbahnhof

Auf der Strecke in Richtung Atlantik

Bahnbauarbeiter beim Schwellenabladen

Fotopause für die Bahnarbeiter

Fünf Loks im Wartestand
Rückblick auf die 80er Jahre
Hier ein kurzer Rückblick auf die achtziger Jahre, als ich ganz im Süden Mexikos, nahe am Pazifik, zum ersten Mal nach Guatemala einreiste. Seinerzeit war die gemächliche Eisenbahn mit ihren seltenen Abfahrtszeiten leider keine Option. Von Tapachula aus fuhr damals immerhin schon ein Bus bis zu der Brücke, die über den Grenzfluss Suchiate führte; zu Fuß gings dann weiter ins Nachbarland. Dort wurde man bereits von einigen Taxifahrern erwartet. Da der Fahrpreis zum nächstgelegenen Städtchen Coatepeque zu hoch war, halfen sie tatsächlich mit Rat und Tat dabei, einen vorbeikommenden Bus zu stoppen und die Reisetaschen eigenhändig Hauruck in dieses Fahrzeug zu befördern – und schon waren wir wieder unterwegs.
Nach einer Übernachtung im »Hotel Monte Carlo«, das trotz seines mondänen Namens nur einige Dollars kostete, gings im Regen des folgenden Morgens in die etwa 1.500 Meter hoch gelegene Hauptstadt hinauf. Hier schien ständig Markttag zu sein; überall saßen Leute auf dem Gehweg und verkauften ihre Sachen, etwa köstliche geröstete Maiskolben. Von Guatemala-Stadt aus, wo jetzt unser zentrales Hotel lag, erkundeten wir das sehenswerte Umland. Die frühere koloniale Hauptstadt Antigua wurde Mitte der 70er Jahre von einem Erdbeben schwer beschädigt, bekam aber trotzdem die Auszeichnung als UN-Weltkulturerbe. Das hiesige Marktgeschehen war im Übrigen viel bunter als in Mexico. So trugen die Frauen Röcke aus schönen handgewebten Tüchern und dazu bestickte Blusen.
Auch wer nur kurze Zeit in Guatemala weilte, wollte unbedingt zum Atitlánsee. Das auf gut 2.100 Meter Höhe oberhalb des Sees liegende Städtchen Solola hatte einen bunten Indiomarkt. Hier waren die Frauen in noch farbenfrohere Kleider gewandet als woanders, und selbst die Männer zeigten sich in Hosen und Hemden aus demselben bunten Stoff. Nach einer Serpentinenfahrt direkt zum See hinunter kam man in den schon damals bekannten Badeort Panajachel, der seinerzeit stark von Hippies bevölkert war – kein Wunder bei der einmaligen Lage mit Zugang zum Atitlán-Kratersee und mit Blick auf die ihn umgebenden Vulkanberge. Er war nur drei Busstunden von Guatemala-Stadt entfernt. Damit war der Kurzbesuch des Landes fast zu Ende. Die Anreise hierher war hingegen umso länger gewesen. Sie hatte in Chicago begonnen und über New Orleans, Nuevo Laredo und Mexico-Stadt ins Zentrum des bunten Maya-Landes geführt.
Auf einer weiteren Mittelamerika-Reise näherte ich mich Guatemala von der Karibikküste her. Die vergangenen Tage hatte ich in Honduras verbracht; dorthin war ich aus Panama über Costa Rica und Nicaragua angereist. Der honduranische Atlantikhafen Puerto Cortes war für einen Kurzaufenthalt jedenfalls attraktiver als die Hauptstadt Tegucigalpa oder die Wirtschaftsmetropole San Pedro Sula (die auch als Kriminalitätshochburg verschrien war). Immerhin gab es im honduranischen Küstenstreifen noch eine alte Bahnlinie, auf der in größeren Zeitabständen Personen und Güter unter anderem nach La Ceiba befördert wurden.

Oldie-Dampflok und neue Diesellok

Freilufttreff in Nordguatemala
Die Ausreise aus Honduras erfolgte bei Corinto, wohin ein Bus aus Puerto Cortes verkehrte. Zu Fuß gings durch eine Reihe von Kontrollstationen bis zur Minibus-Haltestelle in Guatemala – alles problemlos, da mit leicht überschaubarem Gepäck unterwegs. Sogar das Fotografieren wurde mitten im Grenzbereich gestattet. Gegen einen geringen Aufpreis brachte mich der Kleinbusfahrer zu einem Hotel direkt am Hafen von Puerto Barrios, ein angenehmer Zusatzdienst. Die Unterkunft bot immerhin den Luxus eines Ventilators, der hier dringend nötig war. Manchmal wehte auch eine frische Brise vom Meer her. Der Frachthafen mit mehreren Chiquita-Bananencontainerschiffen war recht groß, im Gegensatz zur sehr beengten Passagierboot-Anlegestelle. Der alte Bahnhof, der früher als Endstation einer Bananenbahn diente, war nicht leicht zu finden. Ein einheimischer Junge half mir dabei und erhielt dafür eine Cola. Das Bahngelände erkannte man an einigen abgestellten, ausrangierten Güterwagen – hier ging wohl kein Zug mehr ein oder aus. Bananen wurden jetzt auf Lkw zum Hafen transportiert.
Puerto Barrios war Guatemalas Tor zur Karibik – auch in Richtung Belize. Zweimal am Tag startete damals ein relativ kleines Motorboot, Lancha genannt, diesmal mit mir und fünf weiteren Fahrgästen sowie zwei Mann Personal an Bord. Das Boot fuhr ständig mit Vollgas und war, mit durchgeschüttelten Passagieren, in einer guten Stunde in Punta Gorda / Belize. Mein endgültiges Reiseziel war Cancun auf Yucatán in Mexiko. In Mittelamerika gab es damals kaum mehr Personenverkehr auf der Schiene. »Bahnfahren mit dem Güterzug« war in Guatemala praktisch die einzige, aber höchst selten realisierbare Möglichkeit hierzu.

Kleines Fährboot in Puerto Barrios

Abendstimmung an der Karibikküste
Unterwegs-Sein
Nach seinem Hippie-Trail 1976/1977 ist Hermann dzg-Mitglied geworden. Bis vor einigen Jahren war er als Auslandsjurist in der Rechtsabteilung eines Automobil-Clubs tätig. Er ist Autor mehrerer Fachbücher (Verkehrs- und Schadensrecht) und hat viele Abhandlungen zu internationalrechtlichen Themen sowie zahlreiche Reiseberichte in verschiedenen Medien – natürlich auch im Trotter – veröffentlicht.
Vorwiegend Überlandreisen vom Münchner Hauptbahnhof aus nach Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika, auch mit dem Wohnmobil durch Europa und in den 70er Jahren auch Autoüberführungen. Siehe dazu Trotter 195. 2016 dann Fahrt über Italien und Spanien nach Marokko, 2017 zum finnischen Polarkreis und nach Schweden sowie über Frankreich nach England und Schottland. Zuletzt unter anderem Island (siehe dazu Trotter 212) und Südrussland (Trotter 213). Hermann lebt in Neuried, südwestlich von München.
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