Mit Büchern die Welt entdecken
Zusammengestellt von Norbert Liebeck
Eine Rezension
Jochen Barnack rezensiert einen moderneren Klassiker der Reiseliteratur. Er hat im Internet ein Reisebuch bestellt und war erstaunt, die große Auto-Weltreise von dzg-Gründerin Ludmilla Tüting vorzufinden. Sie dauerte von September 1968 bis Mai 72 und ist damit eine Vorgeschichte zur dzg-Gründung 1974.
Dieter Krauss – Mit dem Auto einmal um die ganze Welt
Verlag Bernhard Albert Greiner, Grenzach-Wyhlen 2003 (2. Auflage 2027, 3. Auflage 2012)/
198 Seiten, Softcover mit 265 Abbildungen und 22 Karten
23,8 x 16,4 cm
ISBN 978-3-935383-99-8
nur antiquarisch erhältlich

1968 ging die 22-jährige Arzthelferin Ludmilla Tüting mit ihrem Lebensgefährten Dieter Krauss und dem befreundeten Harald auf Weltreise. Sie waren in einem für 700 Mark erworbenem gebrauchten VW-Bus unterwegs, der auch zum Übernachten diente. Die Reise sollte acht Monate dauern, doch vom Reisevirus infiziert waren sie über dreieinhalb Jahre unterwegs. Zuerst ging es nach Istanbul, dann durch den Iran über die Südroute nach Pakistan. Dort erkrankten alle an Ruhr und Ludmilla bekam eine Blinddarmentzündung. Einheimische Ärzte belästigten sie, sie flohen und mussten anderthalb Tage ins Krankenhaus einer größeren Stadt fahren, wo endlich die OP stattfinden konnte. Dann ging es weiter durch Indien, von wo sie ein Schiff in die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur nahmen.
Von Indien gestresst und der Ruhr abgemagert, empfanden sie Thailand und Laos als paradiesisch. Zurück ging es nach Kuala Lumpur, wo die Gruppe wegen eines zwischen Malaien und Chinesen aufgeflammten Bürgerkriegs abends in einen Kugelhagel geriet. Sie warfen sich zu Boden und durchlebten eine Nacht voller Angst und Schrecken. Glücklich entronnen ging es nach Singapur, von wo sie, ab jetzt nur noch zu zweit, nach Australien übersetzten.
Hier blieben Ludmilla und Dieter zehn Monate, um die Reisekasse durch Jobs wieder aufzufüllen. Nach der Durchquerung Südaustraliens fuhren sie per Schiff nach Panama und dann Mittelamerika hinauf durch die USA und Kanada. Auf anderer Route ging es zurück bis Panama, von wo es mit einer Fähre nach Kolumbien ging. Hier war die Gefahr groß, überfallen und ausgeraubt zu werden, befreundeten Reisenden ist dies damals passiert. In den Anden packte der mit 36 PS ausgestattete Bus – zusätzlich geschwächt von der Höhe – die Steigungen kaum.
Die Andenstaaten ging es hinunter bis Argentinien und dann nach Brasilien, von wo die Globetrotter mit einem Schiff nach Westafrika reisten. Hier machte sich eine erste Reisemüdigkeit bemerkbar, wozu schwer befahrbare Staubpisten, die Not armer Menschen, vermüllte Städte und Moskitos ihren Teil beitrugen.
Doch das größte Abenteuer lag nun erst vor ihnen, die Sahara-Durchquerung Anfang Mai mit dem inzwischen nahezu schrottreifen VW-Bus. Ein Himmelfahrtskommando. In Agadez konnten sie sich zwar einem Konvoi mit fünf Fahrzeugen anschließen, doch als der alte VW wieder und wieder stecken blieb und von den anderen herausgezogen werden musste, verabschiedeten sich diese und ließen Ludmilla und Dieter in der Wüste zurück. Statt umzukehren entschieden sie sich für eine Weiterfahrt und blieben bald darauf in einem Sandloch stecken. Da ging auch noch der Anlasser kaputt. Eine beklemmende Lage, doch sie wurde noch schlimmer. Denn am zweiten Tag tauchten Kamel reitende Tuareg auf und versuchten zu plündern. Dieter Krauss konnte sie mit einer Pistole vertreiben, doch die Tuareg warteten einfach in 150 Metern Abstand, ihre Zeit würde schon noch kommen. Mehrere Tage mussten die beiden so ausharren, als wie durch ein Wunder die Erlösung kam. Eines Nachts näherte sich ein riesiger mit 40 Fahrgästen beladener Laster, der mit Leuchtraketen angelockt werden konnte. Die Passagiere schoben den Bus am Morgen aus der Sandkuhle heraus und ihn dann solange voran, bis der Motor wieder ansprang. So schafften es die zwei Abenteurer zurück nach Agadez, wo sie den Bus für 600 D-Mark an den örtlichen Polizeichef verscherbeln konnten. Mit einem Lkw-Konvoi gelangten sie dann doch noch nach Tamanrasset, von wo es per Flugzeug über Algier und zurück nach Hause ging.
Irgendwann nach der Heimkehr trennte sich das Paar. Dieter Krauss ging 1974 für fünf Jahre nach Mexiko und Ludmilla Tüting wurde freie Journalistin in Berlin. Sie veröffentlichte 1972 mit Von Alaska bis Feuerland einen der ersten Alternativ-Reiseführer und gründete 1974 die dzg. Erst 28 Jahre später sahen sich die beiden wieder, wobei die Idee für das Buch entstand. Es konnte 2003 in erster und 2007 in unveränderter 2. Auflage veröffentlicht werden (2012 in 3. Auflage herausgegeben, Anm. d. Red.)
Die geschilderte Reise ist sehr gerafft dargestellt, doch manchmal kommt ein Erzählfluss in Gang. Wie bei Autoreisen üblich, nehmen Fahrzeugpannen und ihre Bewältigung einen relativ großen Anteil ein. Zwischenmenschliche Aspekte untereinander oder zu anderen Reisenden werden weitgehend ausgeblendet, so erfährt man vom mitreisenden Harald zu ersten Mal auf Seite 51, nämlich als er die Fahrgemeinschaft verlässt. Das Buch ist reich bebildert, von den 200 Seiten ist jede zweite mit farbigen und gut erläuterten Fotos versehen. Sie zeigen u.a. auch die zahlreichen Zeitungsartikel, die in mehreren regionalen Zeitungen über das reisende Paar erschienen sind. Das Werk ist zudem mit vielen Sonderkapiteln ausgestattet, die mehr die Funktion eines Ratgebers innehaben, wie Erläuterungen zu Fahrzeug, Kamera, Straßen, Versicherung, Reisekosten, Schiffsverladung etc.

Mit dem Auto – Einmal um die ganze Welt ist dennoch ein lesenswertes und spannendes Buch über die Beschwernisse und Freuden einer Reise auf eigene Faust aus einer Zeit, in der Reisenden noch kaum Informationen, teils nicht einmal Landkarten, zur Verfügung standen. Wagemutig und unter Verzicht auf nahezu jeden Komfort brachen sie damals ins nahezu Unbekannte auf und entdeckten die Welt.
Ein dzg-ler stellt sein eigenes Buch vor
Guido Lange – Abenteuer Norwegen. Von Süd nach Nord und Lofoten
Ampel Publishing (Guidos Eigenverlag), Nörtershausen 2026
356 Seiten, durchgehend vierfarbig, mit über 300 Bildern auf Bilderdruckpapier
Hardcover mit Kapitalbändchen und Leseband
22,5 x 17,5 cm
ISBN 978-3-911758-08-6
28,00 Euro

In vier Wochen vom südlichsten Punkt bis hoch über den Polarkreis und weiter auf Vesteralen und Lofoten – das ist die Route von Guidos Radreise im Abenteuer Norwegen.
Mit allen Winden und Wettern konfrontiert, erlebt er Norwegen im wahrsten Sinne hautnah. Guido überwindet Passstraßen und wird mit einzigartigen Bildern belohnt, er sitzt mit einer Familie eine helle Nacht zusammen am Fjord und beginnt, das Land zu verstehen. Den Polarkreis aus eigener Kraft zu überqueren, die sportliche Herausforderung anzunehmen und das alles mit der Kamera und in Geschichten festzuhalten, ist seine Art, Europa zu entdecken. Es ist ein Wechsel aus enthaltsamen und genussvollen Momenten, bei der wir dabei sind.
Ein Reise- und Abenteuerbuch mit spannenden Geschichten und über 300 teils spektakulären Bildern aus dem hohen Norden, von der dortigen Kultur und Natur. Ein Buch für Weltentdecker, Bikepacker und Naturliebhaber.
Leicht modifizierter Klappentext
Link zur Leseprobe: https://ampelpublishing.de/pub/Leseprobe-Guido-Lange-Abenteuer-NORWEGEN.pdf
Über den Autor: Guido Lange ist 1963 in Salzwedel geboren, lebt in der Nähe von Koblenz ist und seit 2024 Mitglied der dzg. Er lief unter anderem 2.000 Kilometer entlang der Ostsee ins Baltikum, bereiste mit dem Rennrad und schmalem Gepäck 4.000 Kilometer Atlantikküste, Umrundete mit einem Gravelbike Island, war mit täglich 120 Kilometern laufend durch Dänemark, Schweden und Finnland unterwegs oder im Kaukasus (siehe sein Bericht im Trotter 214, Seiten 22 bis 33). Seine Abenteuer verarbeitet Guido zu Büchern, die in seinem eigenen Verlag Ampel Publishing erscheinen.
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